Leschkirch / Nocrich

Die im 13. Jh. erbaute romanische Basilika wurde Anfang des 19. Jh. abgetragen und durch ein etwas südlicher gelegenes neues Gotteshaus ersetzt. Entgegen der gemeinhin üblichen Ausrichtung von Osten nach Westen weist die Kirche eine Nord-Süd-Orientierung auf. Der Chor befindet sich dabei an der Nordseite, der Glockenturm an der Südseite. Die im 15. Jh. um die Kirche errichtete Befestigungsmauer war mit fünf Wehrtürmen und einem Zwinger ausgestattet. Bis Ende des 18. Jh. hatte die Anlage sieben Türme. Danach wurden zwei Türme sowie die gesamte Ringmauer abgetragen, das Baumaterial verwendete man für eine Reihe administrativer Gebäude. Die Innenausstattung der Kirche ist einheitlich in klassizistischem Stil gehalten. Im Kircheninnern befindet sich zudem eine originelle Emporenverkleidung in Form eines gerafften Vorhangs.

Ort

Leschkirch, am Rande der Hauptstraßen gelegen, wurde 1150 gegründet und 1263 erstmals urkundlich erwähnt. Die Kirchenburg des Dorfes war einst von einem Sumpf umgeben. Direkt gegenüber der Burg steht ein etwas verwittertes Gebäude. Auf den ersten Blick erkennt man nicht, welche besondere Geschichte es birgt: Es ist das Geburtshaus des bekannten Barons Samuel von Brukenthal: 1721 in Leschkirch geboren und 1803 in Hermannstadt (Sibiu) gestorben, war er der einzige Siebenbürger Sachse, der je als Gouverneur von Siebenbürgen eingesetzt war. In Deutschland studierte er Verwaltungs- und Geschichtswissenschaften, Philosophie und Theologie. Sein Aufstieg begann nach der Heirat der Tochter des Bürgermeisters von Hermannstadt. 1753 lernte er Kaiserin Maria Theresia von Österreich kennen, die ihn später zum Gouverneur ernannte. Als leidenschaftlicher Sammler interessierte er sich für Kunst, Münzen und Pflanzen, die er samt einer großen Bibliothek im Hermannstädter „Brukenthal-Palais“ aufbewahrte. 1817 wurde das Palais als Museum geöffnet und war damit eine der ersten Institutionen dieser Art in Europa.