Rothbach / Rotbav

Turm-Einsturz, am 19. Februar 2016

Turm-Einsturz, am 19. Februar 2016

Die kleine romanische Saalkirche mit quadratischem Chor, halbrunder Apsis und Westturm entstand im 13. Jh. und wurde im 15. Jh. befestigt. Die Außenmauern des Turmes wurden verstärkt und es wurde ein Wehrgeschoss aufgesetzt, das im 17. Jh. den mächtigen Maschikuli-Kranz erhielt. Auch der Bering mit seinen Gusserkern und Schießscharten stammt aus der Zeit der ersten Befestigung. Von dem Torturm haben sich keine Reste erhalten und die Ostseite des Berings wurde später durch das Pfarrhaus ersetzt. Der Turmhelm ist dem Glockenturm der Schwarzen Kirche in Kronstadt (Braşov) nachempfunden und wurde nach einem Brand 1738 errichtet. Chor und Schiff erhielten in diesem Zusammenhang eine barocke Innengestaltung mit einer Flachdecke im Schiff und böhmischen Kappen im Chor. Bemerkenswert sind die aus dieser Zeit stammenden lehnenlosen Sitzbänke der Frauen, deren Balken mit einem einzigen Schwalbenschwanz zusammengefügt sind. Die von der Firma Zachariä aus Leipzig gefertigte Turmuhr funktionierte bis zuletzt tadellos und war sehenswert. Sie ging im Februar 2016 verloren, als der Turm einstürzte.

Ort

Die kleinste Gemeinde des Burzenlandes (Ţara Bârsei) wurde den dörflichen Urkunden zufolge von Marienburg (Feldioara) aus gegründet. Einst zogen von dort 20 Sachsenfamilien aus und ließen sich an einem Bach rund anderthalb Kilometer weiter westlich des heutigen Ortskerns nieder. Der Entwicklung des neu entstandenen Ortes wurde durch einen feindlichen Angriff ein jähes Ende gesetzt. Der Erzählung nach färbte sich das Wasser des nahen Baches rot vom Blut der Opfer und wurde fortan Rothbach genannt. Die Begebenheit gab auch dem Dorf Rothbach seinen Namen. Die ungarische Ortsbezeichnung „Vörösmart“ kann davon leicht abweichend mit „Rotes Ufer“ übersetzt werden.

Die überlebenden Bewohner schützten ihr neu entstandenes Dorf mit einer Kirchenburg und meißelten an den Balken der Eingangstür drei Ringe ein: Vor der Reformation standen diese für „Vater, Sohn und Heiliger Geist“, danach wurden sie auch als „Glaube, Liebe und Hoffnung“ gedeutet. Die Ringe prägen bis heute das Ortswappen von Rothbach.