Die Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts als turmlose gotische Basilika mit zwei Nebenchören errichtet. Das Mittelschiff und der Hauptchor sind höher als die Seitenschiffe, die Chöre schließen polygonal. Der Innenraum ist von steinernen Rippengewölben überspannt, während die Außenwände durch Strebepfeiler gestützt werden.
Besonders bemerkenswert ist der reiche Bauschmuck: Schlusssteine, Kapitelle und Fenstermaßwerk zeigen gotische Ornamente, teilweise mit erhaltenen Farbresten. Im Chor sind Fragmente von Fresken sichtbar. Einige Schlusssteine stellen religiöse Motive dar, darunter den Heiland und einen Pelikan als Symbol Christi.
Das Südportal stammt aus der Zeit um 1405. Das reich gestaltete Westportal beeindruckt mit plastischem Dekor und einem Tympanon mit einer Kreuzigungsdarstellung. Die Jahreszahl 1451 markiert den Abschluss der wichtigsten Bauphase.
Im Laufe der Zeit wurde die Kirche mehrfach verändert: Um 1500 wurden die Nebenchöre umgestaltet und eine Sakristei eingerichtet. Weitere Eingriffe und Reparaturen sind aus dem 17.–19. Jahrhundert belegt, darunter der Bau der Orgelempore und der Dachreiter (1847).
Ein besonderes Detail ist die gotisch verzierte Sakramentsnische im Chor mit einer Pelikandarstellung – ein Symbol für das Opfer Christi.
Ort

Bevor Reichesdorf zu einer der wohlhabendsten Gemeinden des Mediascher Stuhls wurde, war die Gegend rund um die Siedlung naturbelassen und sumpfig. Zwischen Schilf und Weidengestrüpp hatten wilde Tiere die Oberhand. In Erinnerung an diese Zeiten wurde das Ortswappen gestaltet, welches eines der elegantesten von Siebenbürgen ist. Es zeigt einen graziösen Reiher in einem unendlichen See. Über dem See öffnet sich ein roter Himmel, der vom Morgenstern dominiert wird.
Schreitvögel erscheinen oft auf europäischen Ortswappen, was auf die Allegorie des Pelikans zurückzuführen ist. Als Sinnbild Jesu ist dieser Vogel Teil der christlichen Ikonografie und wird schon in dem Physiologus, einer frühchristlichen Naturlehre, beschrieben. Auch in der Reichesdorfer Kirche wird ihm ein Ehrenplatz zuteil: Die beiden Schlusssteine auf dem Hauptchorgewölbe tragen das Abbild Christi sowie einen Pelikan. Neben diesen Kunstwerken ist die Kirche mit zahlreichen weiteren Skulpturen verziert.
Virtuelle Besichtigung: https://kirchenburgen-siebenbuergen.de/kirchenburgen/reichesdorf-richis/
Kontakt:
Bezirkskonsistorium Mediasch
0269/843/228
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