Martinsdorf / Metiş

Die ursprüngliche mittelalterliche Kirche von Martinsdorf ist im 19. Jh. abgetragen und durch ein im neugotischen Stil errichtetes Gotteshaus ersetzt worden, das zu den sogenannten Gustav-Adolf-Kirchen zählt. Das evangelische Gustav-Adolf-Werk, das älteste evangelische Hilfswerk, spendete im 19. Jh. etlichen Gemeinden in der Diaspora neue Kirchbauten. In Martinsdorf blieb vom Vorgängerbauwerk der aus dem 14. Jh. stammende Westturm erhalten. Von dem ehemaligen mit drei Türmen und einem Zwinger gesicherten Bering steht heute nur noch der Nordturm, der mit einem Fachwerkwehrgang ausgestattet ist. Später wurde das Pfarrhaus an ihn angebaut. Auf einer der Martinsdorfer Glocken, die auf das 14. Jh. datiert wird, sind noch gotische Majuskeln zu erkennen.

Ort

Martinsdorf ist paradiesisch an einem bewaldeten Berghang gelegen, inmitten des ruhigen Kaltbachtals (Valea Râului Calva). Wer hätte gedacht, dass hier in den stillen Straßen, zwischen verschwiegenen alten Häusern rund um die würdevolle Kirchenburg einst scherzhafte und humorvolle Geschehnisse das Leben prägten? So erzählt man sich zum Beispiel eine Anekdote von einem Tatarenangriff. Als die Bewohner in der Kirchenburg Zuflucht gefunden hatten, liefen einige Ferkel aus der Burg davon. Ihre Besitzerin, eine verbitterte und mürrische alte Frau, verließ schimpfend die schützende Festung, um diese wieder einzufangen. Aus einem Gebüsch sprang ein Tatar, packte und entführte sie. Ihr Ehemann, der die Burg nicht verlassen hatte, schaute ihnen mit offenem Mund nach. Sein altes Gesicht mit den feuchten Augen drückte herzzerbrechendes Mitleid aus. Mit zitternder, dumpfer Stimme soll er betroffen geflüstert haben: „Oh mein Gott … Du armer Tatar!“