Die Stiftung Kirchenburgen der Evangelischen Kirche in Rumänien (EKR) war auf dem großen Sachsentreffen in Schönau/Sona ebenfalls mit einigen Aktivitäten vertreten, die sich insbesondere an Jugendliche und Familien richtete. Auf dem Programm standen drei unterschiedliche Formate, bei denen die Kirchenburg und ihre Kulturlandschaft auf unterschiedliche Weise entdeckt werden konnten.
Zum Beispiel im Workshop „Wie restauriere ich eine historische Hauswand?“, unterstützt vom Verein für Vernakulare Architektur aus Hermannstadt, sprich, einem Verein, der sich für die Erhaltung der lokalen, traditionellen Bauweise einsetzt.
Junge Architekten um den Restaurator Tudor Coman führten zunächst theoretisch ins Thema ein und zeigten anhand zahlreicher Bilder von Sachsenhäusern, wie sich die Bauweise im Laufe der Jahrhunderte veränderte. Im zweiten Teil durften sich die Teilnehmer als Restauratoren betätigen.
Restaurator Coman hatte mit seinen Kollegen Kacheln vorbereitet. Hier sollte es darum gehen, sorgfältig vier Schichten von Putz und Malerei mit viel Fingerspitzengefühl mit verschiedenen Geräten abzutragen. Dabei wurde den Hobbyrestauratoren bewußt, welch harte Geduldsarbeit das ist, zentimeterweise Malerei und Putz sorgfältig zu beseitigen, um beispielsweise auf einer Innen- oder auch Außenwand mögliche wertvolle Fresken nicht zu beschädigen oder allein schon eine interessante Inschrift aus ganz frühen Zeiten zu entdecken.
Und wie das bei solchen Workshops oft der Fall ist, entwickelten sich im Laufe des Vormittags neben der Fachsimpelei auch Gespräche zum persönlichen Werdegang der einzelnen Teilnehmenden. Auf jeden Fall ein Format, das nachahmenswert ist, und es gilt, den jungen rumänischen Restauratoren zu danken, die sich mit viel Herzblut für den Erhalt von Häusern in Siebenbürgen einsetzen.
Um 11 Uhr lud Cristian Cismaru, Geschäftsführer der Kirchenburgenstiftung, die Gäste zu einer Wanderung durch die Weinberge von Seiden/Jidvei ein. Die Kokelregion gilt seit Jahrhunderten als Weinland und ist vom Weinbau geprägt. Ziel der Wanderwanderung sollte es sein, die Kulturlandschaft rund um die Kirchenburg von Schönau nicht nur vom Dorf aus zu betrachten, sondern diese direkt in den Weinbergen zu erleben und ihre Geschichte zu erfahren.
Neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten sich auf die rund 5,5 Kilometer lange Strecke mit etwa 100 Höhenmetern zu bewältigen. Mitten im Weinberg berichtete Ingenieur Florin Lazăr über die hier angebauten Rebsorten, die Weinbautradition der Region und die aktuellen Herausforderungen durch den Klimawandel, mit denen sich Seiden/Jidvei als größter Weinproduzent der Region auseinandersetzen muss.
Nach rund drei Stunden entspannter Wanderung bot sich zum Abschluss noch einmal ein besonderer Blick auf die Kirchenburg von Schönau: von den Weinbergen aus gesehen, eingebettet in das Dorf und die weite Auenlandschaft der Kokel. Die Wanderung machte damit anschaulich, dass die Kirchenburg nicht als isoliertes Baudenkmal verstanden werden kann, sondern Teil einer über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft ist.
Parallel zur Wanderung konnten Familien und Kinder die Kirchenburg auf spielerische Weise kennenlernen. Bei einem Architektur-Quiz folgten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer kleinen Entdeckungsroute durch die Kirche und den Kirchhof. Dabei galt es, besondere architektonische Details zu finden, genauer hinzuschauen und kleine Aufgaben zu lösen. Gleichzeitig vermittelte das Quiz Wissenswertes über die siebenbürgisch-sächsische Kultur und die Geschichte des Ortes.
So verband das Samstagsprogramm praktische Denkmalpflege, Bewegung in der Kulturlandschaft und spielerische Wissensvermittlung – drei unterschiedliche Zugänge, um die Kirchenburg von Schönau und ihr kulturelles Umfeld neu zu entdecken.
Authoren: Cristian Cismaru & Hans Königes




